HPV Impfung als Prävention vom Gebärmutterhalskrebs


Die humane Papillomavirus (HPV) Infektion ist eine der  häufigsten sexuell übertragbaren  Erkrankungen. Diese verläuft in der Regel symptomlos und klingt in über 90 % der Fälle innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder ab. Es kann sich aber auch festsetzen und  Krebs im Bereich des Gebärmutterhalses (Zervix), Scheideneingangs, Scheide, Afterbereich sowie im Kopf-

und Nackenbereich verursachen.

Nach der Ansteckung mit HPV können die Viren im Gebärmutterhals für längere Zeit verbleiben und damit für die Entstehung  einer Präkanzerose (Vorstufen vom Gebärmutterhalskrebs) sorgen, die sich dann  innerhalb von 5 bis 10 Jahren  in ein Karzinom (Krebs)  entwickeln können.

Obwohl es allgemein bekannt ist, dass ca. 70 % aller Zervixkarzinome durch die HPV-Typen 16 und 18 hervorgerufen werden, und bereits seit Jahren die Möglichkeit einer HPV-Impfung besteht, ist die Impfrate in Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Ländern wie z. B. Österreich immer noch viel zu niedrig, um die Anzahl der Patientinnen  mit Gebärmutterhalskrebs und seiner Vorstufen entscheidend zu reduzieren. Dabei ist diese Erkrankung bei jüngeren Frauen die vierthäufigste Todesursache.

 Im Bezug auf die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs wird HPV in zwei Risikogruppen  aufgeteilt: High-risk (hohe Risikogruppe) und Low-risk (niedrige Risikogruppe). Die High-risk Gruppe beinhaltet HPV  Typen 16, 18, 31,33,35, 39, 45, 51,52,56,58, 59 und 68. Zu der Low-risk Gruppe gehören HPV Typen 6,11,40,42,43,44,53,54,61,72,73 und 81.

Die Low-Risk HPV-Viren 6 und 11 sind in 90 % der Fälle für die Entstehung von genitalen Feigwarzen ursächlich, die aber kein Krebsrisiko darstellen.

HPV Typen 16 und 18 werden am häufigsten mit dem Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Z.B Typ 16 wird in ca. 50 % der Patientinnen mit Zervixkarzinom nachgewiesen.

Allerdings führen nicht alle Infektionen mit HPV Typen 16 und 18 zur Krebsentwicklung. Das Verbleiben  des Virus über längere Zeit  und die Kraft des eigenen Immunsystems ist hierfür entscheidend.

Genitale HPV Infektion wird durch ungeschützten  Geschlechtsverkehr mit Penetration oder sehr engem Haut -zu- Haut Kontakt mit der infizierten Haut  übertragen, auch die orale-genitale Sexualität  und möglicherweise  die Übertragung von der Hand zum After oder von der  Hand  zur Scheide spielen eine Rolle. Kondome schützen leider nicht ausreichend vor einer HPV-Infektion.

Dank der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung konnte die Karzinomhäufigkeit  in den letzten 30 Jahren halbiert werden, eine weitere deutliche Risikoreduktion ist durch die HPV -Impfung zu erwarten.

Die Routine-Vorsorge beinhaltet einen Papanicolau (PAP) Abstrich vom Gebärmutterhals.

HPV kann unter anderem durch einen  HPV-DNA -Test im Abstrich vom Gebärmutterhals erkannt werden. Die Ergänzung der Routine- Vorsorge durch den HPV-DNA- Test erhöht die Nachweiswahrscheinlichkeit  der Entdeckung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses, sogenannten CIN 2 und 3-Läsionen (CIN -Cervikale Intraepiteliale Neoplasie) und ermöglicht damit die Früherkennung und rechtzeitige Therapie. Für HPV-DNA Test gibt es folgende derzeit verfügbare Möglichkeiten: Hybrid Capture 2 (HC2), Cervista und PCR-basierte Tests.

Für die Differenzierung zwischen Hochgradigen CIN-Läsionen und nicht gefährlichen unreifen Veränderungen (squamösen Metaplasien)  hat sich der zelluläre Marker p16 Protein, der bei hochgradigen CIN -Läsionen erhöht ist, bewährt. Die Kombination von p16 Protein und Teilungsfaktor Ki 67 Bestimmung bieten eine noch höhere  Entdeckungswahrscheinlichkeit der zervikalen High-grade Läsionen, sogenannten Dysplasien  (HSIL).

In der Gynäkologie gibt es derzeit bestimmte Indikationen, wie z.B. ein wiederholtes auffälliges PAP Ergebnis in der Routine- Krebsvorsorge, die die Ergänzung durch die HPV-Testung auch für die gesetzlich versicherte Patientinnen rechtfertigt.

Als Prophylaxe der HPV-Infektion stehen uns derzeit drei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung.

-Gardasil, quadrivalente  HPV-Vakzine, die als Ziel den Schutz gegen HPV Typen 6,11, 16 und 18 beinhaltet -Gardasil 9, nonovalente Vakzine, die  als Ziel den Schutz gegen 9 HPV-Viren (6,11,16,18,31,33,45,52 und 58)  gewährleistet und die neueste Entwicklung der HPV-Impfgeschichte darstellt -Cervarix, bivalente Vakzine, die gegen HPV 16 und 18 zielt

Bei allen drei Impfstoffen ist eine exzellente Antikörper-Immunantwort zu erwarten. Große klinische Studien haben eindeutig nachgewiesen, dass  die  Häufigkeit von Neuerkrankungen mit   Genital- Warzen, Gebärmutterhalskrebs und Vorstufen (CIN-Läsionen) vom Gebärmutterhalskrebs durch die Impfung abnimmt. Die maximale Wirksamkeit der HPV Impfung entfaltet sich bei den HPV-Naiven, also noch nicht infizierten Patientinnen. Deswegen ist der optimale  Zeitpunkt der Vakzination noch vor der Aufnahme des ersten Geschlechtsverkehrs. Das Impfschema richtet sich nach dem Alter der zu impfenden Person. Es wird dementsprechend zur Grundimmunisierung zwei oder dreimal gegen HPV geimpft.

Favorisiert wird die neu zugelassene Impfung mit dem Gardasil 9. Zu den häufigsten Nebenwirkungen dieser Substanz gehören leichte bis mäßige Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerzen, Rötung, Schwellung). Die Häufigkeit aller systemischen Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit und allgemeine Schwäche ist vergleichbar mit dem quatrivalentem Stoff Gardasil . Weitere schwerwiegende Ereignisse wurden nur in 0,1 % der Fälle beobachtet.

 

Die Vakzine sorgt für einen lang anhaltenden Immunität und Schutz gegen bestimmte HPV- Typen. Den jetzigen Studienergebnissen zufolge liegt man 10 Jahre nach der Vakzination immer noch auf einem sicheren Abwehrniveau und es ist keine Auffrischung  in diesem Zeitraum erforderlich.

Die Impfstoffe  gelten als sicher und gut verträglich. Kursierende Warnungen  vor fragwürdigen Nebenwirkungen sind nicht wissenschaftlich belegt und können entschieden zurückgewiesen werden.

Alle Impfstoffe beinhalten virus-ähnliche Partikeln (VLPs), die keine genetischen Inhalte vom Virus besitzen. Das macht die Impfung besonders sicher. Eine unabhängige Kommission, die die Sicherheit von HPV Impfstoffen beurteilt hatte, hat geschlussfolgert, dass  Ohnmachtsfälle  am Tag der Impfung und lokale Hautirritationen innerhalb von 2 Wochen nach der Impfung die einzigen Nebenwirkungen waren,  die unmittelbar mit der Impfung zusammenhängen. Ohnmacht und damit verbundenes Risiko von Verletzungen  am Impftag können  durch 15- minütiges Warten im Sitzen nach der Impfung reduziert werden.

Die STIKO (Ständige Impfkommission) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt eine generelle Impfung gegen HPV für alle Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden. Die Impfserie  soll noch vor Beginn der sexuellen Aktivität verabreicht  und abgeschlossen werden, bevor es zu einer Infektion mit krebserregenden HPV Typen gekommen ist. Doch auch Frauen außerhalb dieser Altersgruppe und bereits sexuell aktive Frauen können von einer Impfung profitieren und sollten mit Ihrem Frauenarzt darüber sprechen. Im letzten Fall empfiehlt sich, die Kostenübernahme vorab mit der entsprechenden Kasse abzuklären.

In den letzten 60 Jahren wurden  durch die Routine- Krebsvorsorge die Inzidenz und die Sterberate  beim Gebärmutterhalskrebs um mehr als 70 % gesenkt. Empfehlenswert wäre die Durchführung der HPV -Erkennungstests ab 21 Jahre.

 

Eine HPV-Impfung ist jedoch kein Ersatz für die Krebsfrüherkennungs-Untersuchung, da neben den durch den Impfstoff abgedeckten HPV-Typen, die am häufigsten für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ursächlich sind  noch weitere Hochrisikotypen existieren, die ebenfalls Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

 Daher empfehlen wir auch in unserer gynäkologischen Praxis im MVZ Inn Med Oberaudorf die Krebsfrüherkennungsuntersuchung jährlich wahrzunehmen.

_____________________________________________________________________